Im Frost gewachsen

Veröffentlicht am 19. April 2026 um 14:08

Die Frühlingszeit birgt zarte Knospen –

sie lassen uns das Leben kosten.

Wie aus dem Nichts entsprießt ein Keim,

noch unbedacht – ganz zart und rein.

Er ahnt noch nichts von Sturm und Eis

und wächst in Kraft ohne Verschleiß.

 

Entwickelt langsam seinen Glanz –

auch seine Blätter sind noch ganz.

Noch keine Zeichnung, keine Narben,

dafür die Pracht in allen Farben.

Die Blüte strahlt jetzt sanft und bunt

und spendet Frohsinn, ist gesund.

 

Doch alles Strahlen kann versiegen,

wenn starke Winde Stängel biegen.

Viel Last auf ihrem Blätterkleid

und keiner da, der sie befreit.

Die kleine Blüte, nett und fein,

steht jetzt mit Mut, sonst knickt sie ein.

 

Und unverhofft wird’s bitterkalt –

Frost zerrt an Wurzeln und am Halt.

Sie muss jetzt trotzen, alles geben

und fest vertrauen – in das Leben.

Wie schnell es ihr den Atem raubt,

wenn sie nicht mehr an Hoffnung glaubt.

 

Doch zürnt nun Hagelkorn und Eis,

auch Blüten rundum – sie werden nur weiß.

Als schwächste steht sie mittendrin

und fühlt nur Schmerz – wo soll sie hin?

 

Sie rafft sich auf, mag nicht vergessen:

Ich werd mich nicht mit anderen messen.

Sie tragen Bürden oft verborgen –

und sehen nichts von ihren Sorgen.

Nicht alles strahlt, was glänzen mag,
oft hilft ein kleiner, feiner Schlag.

 

Sie ringt mit Neid, denn der trägt Wut,

tut ihrem Wachstum selten gut.

Auch Trauer um den schönsten Glanz

macht’s Blätterkleid nicht wieder ganz.

Die Angst will sie nun überwinden,

in Zuversicht ihr Feuer zünden.

 

Es fließt noch skeptisch in den Adern –

darf nicht mehr mit dem Schicksal hadern.

Sie streckt ihr Köpfchen frech empor

und holt die Wurzelkraft hervor.

Entfacht die Flamme, stark und mächtig,

der feste Glaube macht sie kräftig.

 

Sacht wird’s auch ohne Sonne warm,

sie hat’s geschafft: Sie trotzt dem Harm.

Zieht Energie nun aus der Ruh

und sieht sich selbst beim Wachsen zu.

Sie weiß, wie weit sie gehen kann,

um zu entfalten Liebreiz, Charme.

Er trägt ein neues Knospenkleid –

zur zarten Blüte nicht mehr weit.

 

Auch für die anderen nicht mehr blind,

stehen sie zusammen, trotzen Wind.

Gewitter bargen ihr Erkennen:

Sie darf sich bald die Schönste nennen.

Im größten Kampf fand sie ihr Herz,

das stärker war als all der Schmerz.

 

Und selbst, wenn sie ihr Kleid verliert:

ihr Kern kennt Wachstum – unbeirrt.

Dem Kampfgeist wird sie dann gerecht –

in voller Blüte. Prächtig. Echt.

 

 

 

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